WZ Mittwoch, 16. Mai 2001

Umschlagplatz für Kunst

Rund 1100 originale Kunstwerke gingen letztes Jahr über die Theke. Die Artothek der Gemeinschaft Krefelder Künstler feiert am Freitag ihr zehnjähriges Bestehen.

(ipa) Gestern noch waren eine Menge Nägel frei in der ersten Etage des Kunst-Spektrums an der St.-Anton-Straße. An diesen Nägeln hängt normalerweise Kunst - Originale von etwa 70 Künstlern aus Krefeld und der Region. Erika Janßen betreut hier die "Artothek" in Trägerschaft der Gemeinschaft Krefelder Künstler. Zurzeit ist sie noch damit beschäftigt, neue Werke zu rahmen.

An diesem Freitag müssen die Wände aller drei Räume wieder völlig bedeckt sein, denn dann, um 20 Uhr, wird das zehnjährige Bestehen dieser Einrichtung, der man damals so viel nicht zugetraut hatte, gefeiert. In der Mitte der 80er Jahre hatte man immer wieder, u.a. im Kulturausschuss, über die Einrichtung eines Künstlerarchivs und einer Artothek diskutiert, etwa in der Trägerschaft der Kunstmuseen. Das zerschlug sich schnell. K. A. Janßen vom

Vorstand der Künstlergemeinschaft (GKK): "Unter einer Artothek verstanden wird damals, dass man einmal im Monat Kunstwerke aus dem Depot holt und zum Aussuchen an Wände lehnt." Als dem Kunst-Spektrum dann die erste Etage des Hauses mit vier Räumen zugeschlagen wurde, hatte der Artothek dann in der heutigen Form die Geburtsstunde geschlagen. Erika Janßen: "Wir haben da unser eigenes Modell entwickelt. Mit dem ging es jedes Jahr weiter bergauf; ein permanent gutes Echo." Das zweimal in der Woche: montags und donnerstags 16-20 Uhr.

Simple Zahlen sprechen: Wurden 1990 noch 400 Ausleihen im Jahr getätigt, waren es im vergangenen Jahr 1100 bei einem Bestand von rund 600 Arbeiten. Mittlerweile wurden 350 Ausweise ausgestellt, die die Ausleihprozedur vereinfachen. Anfangs hatten die Künstler (auch außerhalb der GKK) noch keine 200 Werke bereit gestellt.

Genau so viele Bilder passen heute auf die Wände der Räume, aber nur, weil es strikte Vorschriften zur Größe gibt und kein Platz verschwendet wird. So fühlt man sich dann in diesen Räumen wie in Schloss Moyland, wo ja auch die "Petersburger Hängung" geübt wird. Außerdem bietet die Artothek Skulpturen zur Miete an. Man muss sie nur tragen können. Ein umfangreicher Katalog gibt Auskunft über die Kunst im Artothek-Lager und zu jedem einzelnen Künstler.

Bei der Eröffnung am Freitag wird ein neuer "Dreimaldrei" - Zyklus vorgestellt: "Espasante schläft" von Klaus-Peter Noever.


Erika Janßen hat noch einiges zu tun für das Jubiläumsfest
der Artothek im Kunst-Spektrum an diesem Freitag
Foto: A. Gayk

WZ Montag, 21.5.2001

Eine Landschaft schläft

Die Artothek der Künstler feierte ihr Zehnjähriges: Eine rasante Entwicklung und Noevers Beitrag zur Grafikserie "Dreimaldrei".

Von Michaela Plattenteich

Gewöhnlich treffen sich Besucher zu Ausstellungseröffnungen in den Räumen des Kunst-Spektrums der Gemeinschaft Krefelder Künstler. Letzten Freitag drängte man sich eine Etage höher in der Artothek. Es gab ein wie es in der Einladung bescheiden hieß - "kleines Jubiläum" zu feiern, nämlich das zehnjährige Bestehen dieser Einrichtung.

"Öfter mal was Neues" - dieser flotte Werbeslogan kam Bürgermeister Bernd Scheelen in den Sinn, als er sich ein Grußwort überlegte. Ein durchaus passendes Motto für die Artothek, der bei ihrer Gründung am 23. Mai 1991 mancher mit Skepsis begegnete. Doch was in Hamburg und Berlin funktioniert, entwickelte sich auch in Krefeld zu einer erfolgreichen Institution. Scheelen konnte das mit einem interessanten Vergleich belegen. Während es in Krefeld im letzten Jahr 1100 Ausleihen gab, waren es in der Millionenstadt Berlin nur 8000. Dem Motto der Artothek "Nimm ein Original mir" fügte Scheelen ein ebenfalls der Werbung entlehntes "Nimm zwei" hinzu, verbunden mit Wünschen für eine weitere erfolgreiche Zukunft.

Peter M. Heeser von der GKK fügte feinsinnige Worte hinzu. Das Ausleihen von Kunst sei eine ganz individuelle Annäherung an die Kunst oder auch an einen bestimmten Künstler. Die vorübergehende "Inbesitznahme" in die private Umgebung ermöglicht einen anderen Zugang zum Kunstwerk als in einer Ausstellung.

Seit einiger Zeit kann man in der Artothek nicht nur ein oder zwei Kunstwerke ausleihen sondern gleich neun auf einen Streich. Der Zyklus "Dreimaldrei" macht es möglich. Gerade rechtzeitig zum Jubiläum gibt es ein neues Exemplar dieser Reihe, diesmal von Klaus-Peter Noever. Unter dem klangvollen Titel "Espasante schläft" hat er, was den Aufbau betrifft, eine neue originale Variante gefunden. Alle neun Bilder ergeben zusammen ein weiteres Bild. So sind, passend zum Jubiläum, eigentlich zehn Bilder zu sehen.

In der Noever eigenen kräftigen, ausdrucksvollen Bildsprache breitet sich dem Betrachter eine maritime Szenerie mit Boot und Fischern dar, eine Welt mit der der Künstler eng verbunden ist. Die gedeckten und doch kräftigen Farben, die breiten gezeichneten Linien und die Verarbeitung von Transparentpapier ergeben ein spannungsreiches Ganzes, das zwischen Malerei und Zeichnung changiert. Der Titel spielt auf den kleinen Ort an der nordspanischen Küste an, der Noever zur zweiten Heimat geworden ist und der allen äußeren Einflüssen zum Trotz stets von einer abwartend-lethargischen Atmosphäre gekennzeichnet ist.


Blick in die neue Kunst-Präsentation der Artothek kurz
vor Beginn der Jubiläumsfeier am Freitagabend.
Foto: D. Jochmann