Aktuelle Ausstellung

Eröffnung der Ausstellung im Kunst-Spektrum der GKK am 16.07.2021
Dauer der Ausstellung: 17.07. – 15.08.2021

Teilnehmer:
Ursula Baaken • Annette Baltzer • Martin R. Becker • Christiane
Behr • Anna von Borstel • Czaja Braatz • Barbara Freundlieb •
Ilse Gabbert • Christa Hahn • Peter M. Hasse • Karl-Heinz
Heming • Stefan Kaiser • Gudrun Kleffe • Hansjörg Krehl •
Christel Kremser • Ivica Matijevic • Claudia Reich •
Marianne Reiners-Maaz • Claudia Schmidt • Ingeborg
Schmidthüsen • Edith Stefelmanns • Hanne Thilker-Kulgemeyer •
John Waszek • Rita Wilmesmeier • Theo Windges •
Petra Wittka • Andrea Zmrzlak

Öffnungszeiten
Mo u. Do 16-20 Uhr
So 11-14 Uhr

Viele Wege führen zu Joseph Beuys

Viele Wege führen zu Beuys – gerade auch im Jahr des 100. Geburtstags des Künstlers wird diese kurze aber umso treffendere Paraphrase der Redewendung mehrfach Realität. An vielen Orten auf unterschiedliche Weise, in der Geburtsstadt von Beuys allemal durch Ausstellungen, Hommagen und Co. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass auch die Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) eine ganz eigene, dem Charakter des Vereins treffend, entsprechende Ausstellung realisiert hat, die sich unter dem Titel „Vom weiten Horizont“ mit Leben und Werk des Niederrheiners befasst. Und dies so unterschiedlich, wie man sich nur Beuys als Phänomen reflexiv, diskursiv oder auch mal ironisch oder epigonal in eigener künstlerischer Auseinandersetzung widmen kann.

Zugangswege zu Beuys sind mal direkter, mal eher mittelbar
Kurz und knapp: Eine Hommage an Beuys kann viel Filz und Co. bedeuten, aber auch das bewusste Negieren dessen oder was ganz anderes. Diese bunte Mischung macht die Ausstellung, die am Freitag, 16. Juli, ab 20 Uhr im Kunst-Spektrum an der St.-Anton-Straße 90 eröffnet wird, so reizvoll, ja in seiner ästhetischen, stilistischen und hermeneutischen Opulenz und dennoch charmanter Natürlichkeit so ausgesprochen sehenswert. 27 Künstlerinnen und Künstler aus den Reihen der GKK haben teilweise – größtenteils – explizit für die Ausstellung gefertigte Arbeiten und teilweise schon ältere, aber passende Exponate beigesteuert.
Das reicht von unterschiedlichen Arten von Zeichnungen (Annette Baltzer, Anna von Borstel, Stefan Kaiser, Barbara Freundlieb, Marianne Reiners-Maaz, Hanne Thilker-Kulgemeyer oder auch Petra Wittka), mal mit tieferen Bedeutungsschichten, mal assoziativ spielend, mit ganz subjektivem oder eher philosophischem Bezug, bis hin zu Installationen. Reiners-Maaz liefert ein Beuys-Porträt, von Borstel wiederum fühlte sich an Spannungsfelder in ihrer Familiengeschichte erinnert („Haben wir uns transformiert?“ und „Lisbeth in der Unterwelt“ aus 2017). Zwei sehr gelungene Arbeiten. Das Spektrum reicht weiter von Malerei (Claudia Schmidt) über digitalen Arbeiten (Ursula Baaken, Martin R. Becker, John Waszek) bis hin zu Fotografie und Mischtechniken (Christiane Behr, Andrea Zmrzlak, Ivica Matijevic) oder Objekte (Rita Wilmesmeier), die durch Collagieren ihre Sprache gefunden haben.Martin R. Becker spielt etwa in seinem Digitaldruck mit der Handschrift von Beuys, Czaja Braatz nähert sich ihm in seiner (Material)-Sprache mit Installationen, leicht ironisiert. So wie auch Freundliebs „Knie-Zeichnung“, die das Beuys-Zitat auf die Schippe nimmt. Ilse Gabbert möchte in ihrer Installation „Lebendigen Einhörnchen Beuys erklären“, der ja selbst versuchte, seinerzeit den toten Hasen die Bilder zu erklären. Christa Hahn wird mit einem Filzstapel, auf dem eine Kupferplatte liegt, worauf ein Hirschgeweih thront, ganz eindeutig (Man erinnere sich unter anderem an „Fond“). Peter M. Hasse zeigt zwei archaisierende Werke aus 1994, Karl-Heinz Heming einen Objektkasten mit Holzschichtungen. Gudrun Kleffe zeigt Holzstelen, auf denen vielschichtige und -deutige Quader auch mit Filzbeimischungen residieren. Hansjörg Krehls Objekt nutzt auch mannigfaltige Assoziationen, auch zu „Fond“ mit gestapeltem Filz, auf dem Eierbecher aus Kunststoff ruhen in einem hermetischen Glaskasten. Christel Kremser begibt sich mit zwei Foto-Bilderrahmen auf die Spure der „toten Hasen“. Claudia Reich hat sich vom sagenumwobenen Flugzeugabsturz des Kriegsfliegers Beuys inspirieren lassen und zeigt ein Modellflugzeug im Fallschirm. Ingeborg Schmidthüsen ist mit der ökologisch engagierten Installation „Plastik-Meer“ und dem etwas rätselhaften Objekt „Prozession“ aus 2006 und 2021 vertreten.Edith Stefelmanns indes hat einen ganz eigenen Zugang zu dieser Beuys-Hommage gefunden – die erfrischend unerwartet auf drei Overheadfolien konstatiert „Ich bin ich“ und „Ich bin nicht Beuys“. Denn, auch wenn einige Künstler es hier taten, ein Diskurs über Beuys muss nicht unbedingt seine ästhetische „Sprache“ sprechen. Vier Beuys-Fotografien aus 1971 von Theo Windges schmücken diese Beuys-Hommage mit einem besonderen Flair. Eine gelungene vielseitige Schau.

Von Christian Oscar Gazsi Laki